Wirtschaftsaufschwung oder kalte Dusche? Die Zukunft des Handwerks in Österreich

Österreichs Handwerks- und Gewerbebranche steht vor einem entscheidenden Jahr. Nach einem herausfordernden 2025, in dem die Branche einen realen Rückgang von 4,3 Prozent verzeichnete, während die Gesamtwirtschaft um 0,5 Prozent wuchs, sind die Erwartungen für das erste Quartal 2026 gedämpft. Doch es gibt Hoffnungsschimmer, die eine Wende versprechen könnten. Was steckt hinter diesen Zahlen und was bedeutet das für die Zukunft?
Der wirtschaftliche Kontext: Ein schwieriges Jahr für das Handwerk
Im Jahr 2025 war das Handwerk ein „Preisdämpfer“ mit einer Preissteigerung von nur 2,4 Prozent, während der Verbraucherpreisindex in Österreich um 3,6 Prozent stieg. Dies zeigt, dass die Betriebe ihre Kosten nicht vollständig an die Kunden weitergeben konnten, was langfristig ihre wirtschaftliche Substanz belastet. Der kalte Winter hat die Situation nicht verbessert, und die Erwartungen für das erste Quartal 2026 sind gemäßigt: Nur 15 Prozent der Betriebe erwarten eine Zunahme der Aufträge, während 27 Prozent mit einem Rückgang rechnen.
Die Hoffnung auf den Frühling: Wohnbaukredite und Bauleistungen
Obwohl der Winter die Bauleistungen saisonal erschwert, gibt es Hoffnung auf ein „Frühlingserwachen“. Die Nachfrage nach privaten Wohnbaukrediten ist gestiegen, was als positives Signal für eine konjunkturelle Erholung gesehen wird. Dies könnte den dringend benötigten Aufschwung bringen, den die Branche erhofft.
Der Fachkräftemangel: Eine doppelte Herausforderung
Ein weiteres Problem ist der Fachkräftemangel, der die Branche weiterhin stark beschäftigt. Trotz der wirtschaftlichen Schwierigkeiten planen viele Betriebe, ihre Mitarbeiter zu halten, was auf einen langfristigen Glauben an den Aufschwung hindeutet. Die Planung des Personalbedarfs für das erste Quartal 2026 zeigt ein leichtes Plus, was in den kalten Monaten untypisch ist.
„Das zeigt zwei Dinge: Das Thema Fachkräftemangel beschäftigt die Betriebe weiterhin stark. Und es ist ein erfreuliches Indiz, dass unsere Unternehmen den Glauben an den Aufschwung nicht verloren haben“, sagt Manfred Denk, Obmann der Bundessparte Gewerbe und Handwerk in der WKÖ.
Vergleich mit anderen Bundesländern und Branchen
Im Vergleich zu anderen Bundesländern zeigt sich, dass besonders die investitionsgüternahen Branchen, die stark vom Bauwesen abhängen, mit einem negativen Saldo von 14 Prozentpunkten zu kämpfen haben. In den konsumnahen Branchen sieht es mit einem Saldo von minus 6 Prozentpunkten etwas besser aus. Besonders negativ sind die Erwartungen im Bauhilfsgewerbe, Holzbau und bei exportabhängigen Mechatronikern.
Strategien für die Zukunft: KMU-Förderung und Bürokratieabbau
Die Wirtschaftskammer Österreich fordert eine umfassende Strategie, die die Bedürfnisse der Klein- und Mittelbetriebe (KMU) berücksichtigt. Mit 99,6 Prozent der heimischen Betriebe, die in diese Kategorie fallen, sind sie das Rückgrat der Wirtschaft. Eine Gleichstellung bei den Energiekosten und eine Anpassung der Lehrstellenförderung sind entscheidende Schritte, um die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.
„Österreich ist ein KMU-Land. Wenn Österreich auf die Überholspur gebracht werden soll, müssen ihre Bedürfnisse berücksichtigt werden“, betont Denk.
Lehrlingsausbildung: Ein Blick in die Zukunft
Die Lehrlingsausbildung ist ein weiterer Bereich, der Aufmerksamkeit erfordert. Mit 43.965 Lehrlingen in betrieblicher Ausbildung ist das Handwerk die größte „Talenteschmiede“ des Landes. Dennoch gab es einen Rückgang um 1.455 Lehrlinge im letzten Jahr, was als alarmierendes Zeichen für die Fachkräftesicherung gewertet wird.
„Wir fordern deshalb, dass die Lehrstellenförderung als Beitrag zu den Investitionskosten der Ausbildungsbetriebe gesehen und jährlich valorisiert wird, so wie das bei den Kosten von Schulen und Universitäten schließlich auch der Fall ist. Eine Kürzung kommt für uns nicht in Frage, das wäre ein fatales Signal“, erklärt Denk.
Bürokratie: Ein zweischneidiges Schwert
Ein gemischtes Bild zeigt sich beim Bürokratie-Abbau. Ein kürzlich verabschiedetes Paket wurde begrüßt, da es Erleichterungen bei Betriebsgenehmigungen und der Errichtung von PV-Anlagen bietet. Doch es gibt auch Kritik an neuen Regelungen, wie der Hitzeschutzverordnung, die als bürokratisches Monster wahrgenommen werden.
Denk warnt: „Bürokratie-Abbau ist keine Momentaufnahme, sondern ein Dauerauftrag.“
Ein Blick in die Zukunft: Was erwartet das Handwerk?
Die kommenden Monate werden entscheidend sein, um zu sehen, ob die prognostizierten Aufschwünge eintreten. Die Kombination aus steigender Nachfrage nach Wohnbaukrediten, der Hoffnung auf ein Ende des Fachkräftemangels und der Unterstützung durch politische Maßnahmen könnte der Branche den benötigten Schub geben. Doch es bleibt abzuwarten, ob die Herausforderungen gemeistert werden können.
„Wir setzen jetzt auf ein kräftiges Frühlingserwachen“, sagt Denk optimistisch. Die kommenden Monate werden zeigen, ob diese Hoffnung gerechtfertigt ist.